#letsgo No. 1: Gedanken zu New Work und Vorstellung des Buches Reinventing Organizations

Die Solidmind Group steht für das Beschreiten neuer Wege – wir denken gerne außerhalb von Boxen und Schranken, was unter anderem auch dazu führt, dass unser mittlerweile 60-köpfiges Team Remote-first arbeitet und unsere Werte bold, kind und free lebt. Richard Branson und Jeff Bezos sind vielleicht vor Kurzem ins All geflogen, aber wir sind der tiefen Überzeugung, dass alle die Möglichkeit und das Mindset haben, außerhalb unserer Sphären zu denken. In der Reihe #letsgo wollen wir mit euch in die Gedankenwelt der New Work eintauchen und Theorien sowie Praxen besprechen, die in unserer Welt so vielleicht noch gar keinen richtigen Namen haben oder bereits tatsächlich gelebt werden. Aber es soll auch ein Raum sein um Herausforderungen zu thematisieren oder Dinge klar zu benennen, die vielleicht (noch) nicht 100% passen. Lasst uns gemeinsam die ersten Schritte über den Tellerrand gehen, um dabei vielleicht auch festzustellen, dass wir gar nicht allein sind. Diese Reise lebt vom Austausch, weshalb es nur mehr als wertvoll ist, wenn ihr eure Gedanken hier oder an anderer Stelle teilen möchtet. Let’s go!  

Warum nicht nur Milliardäre das Privileg haben sich (gedanklich) ins All zu schießen 

Hi, mein Name ist Melissa und ich bin Teil unseres wunderbaren HR-Teams. Schon seit meiner Diplomarbeit 2015 (und unbewusst wohl auch schon weit davor) beschäftige ich mich mit Gedanken und Ansätzen rund um New Work. Das fing damals mit Work-Life-Balance an, geht heute weiter über Work-Life-Integration und hin bis zu neueren Organisations- und Führungstheorien. Wie bei vielen Trends und Strömungen gilt es auch hier herauszufinden: Was ist einfach nur eine Überarbeitung der Nomenklatur, welche Werte und Weltansichten stecken hinter einzelnen Ansätzen und wo lohnt es sich langfristig genauer hinzuschauen?  

Wo fange ich an? Ich könnte euch jetzt etwas von integraler Organisationsentwicklung, New Work 2.0  oder einem Buch namens “Reinventing Organizations” erzählen, beginne aber erstmal ganz woanders: nämlich in der weiten Steppe Kasachstans… 

Kasachstan vs. New Work?  

Jetzt habt ihr auch mal eine kasachische Jurte von innen gesehen…

Richtig gehört – vor rund sechs Jahren verschlug es mich dorthin als Beamtin des Auswärtigen Dienstes. Der diplomatische Dienst ist spannend, herausfordernd und facettenreich. Vielleicht habt ihr sogar das Bild einer cocktailschlürfenden Diplomatin vor Augen und ja, auch das gehört tatsächlich in einem gewissen Maß dazu. 😊 Gefühlt hatte ich mit 24 schon sehr viel erreicht, wovon ich vermeintlich auf der Schulbank geträumt hatte: Geld, Prestige, ein internationales Umfeld mit einer großen Aufgabe. Mir fielen jedoch zur gleichen Zeit vermehrt Menschen in meiner internationalen Bubble auf, die formal ebenfalls alles zu haben schienen, aber dennoch abseits ihrer Titel, ihres Einkommens oder auch ihrer Ideale kein “Feuer” mehr für ihren Job übrig hatten. Mit dieser Erkenntnis bin ich nicht allein: In Bewerbungsgesprächen hören wir oft ähnliche Geschichten und Erlebnisse, die die Kandidaten letztendlich zu uns führen…

You got it all? Eigentlich schon, oder? In eben diesem kleinen Wort “oder” steckt so viel mehr. Wir verbringen einen Großteil unseres Lebens mit Arbeit. Veranschaulicht euch das gerne mal, indem ihr zum Taschenrechner greift und eintippt wie viele Stunden des Monats ihr tatsächlich “wach” seid und wie viele Stunden davon ihr arbeitet. Vielleicht überrascht euch das Ergebnis genauso wie mich. Was treibt uns hier an? Was für ein Umfeld wünschen wir uns tatsächlich? Das sind Fragen, die ich seit ich bei der Solidmind Group bin, intensiver verfolgen kann und die es meiner Meinung nach wert sind gestellt zu werden.  

Was wäre also, wenn wir unser Leben nicht an Organisationsformen und deren Regeln ausrichten, sondern eben diese Organisationen aus unserem Inneren heraus steuern? Kein Mensch übt dabei Druck auf einen anderen aus, sondern das System selbst kreiert diesen Druck – alleine dadurch dass es existiert und einem höheren Sinn folgt. Wer bis jetzt noch keinen Hirnknoten à la Matrix Triologie hat, muss unbedingt weiterlesen. Wenn meine Arbeit sich nicht mehr an äußeren Faktoren orientiert, sondern sich nach Innen richtet, taucht vermutlich eine Vielzahl an Fragen auf: Wer entscheidet darüber, dass ich entscheiden darf? Passt eine Entscheidung zu meiner inneren Ausrichtung? Und auch: Was trage ich eigentlich zum “Großen Ganzen” bei? Wer Lust darauf hat diese Gedanken weiterzuverfolgen, sollte unbedingt zur roten Pille greifen (das war es jetzt auch mit der Filmanspielung, versprochen!😉).  

Die New Work Bibel no. 3472 ? 

Es gibt sie wie Sand am Meer: Bücher, die dir versprechen DAS Richtige für all deine Fragen in Richtung New Work zu sein. Ein Buch, welches sich in seit einigen Jahren prominent mit diesen Themen beschäftigt heißt “Reinventing Organizations” von Frédéric Laloux. Neben einer ausführlichen Version, existiert noch eine vereinfachte illustrierte Variante und für den deutschen Sprachraum sogar eine Hörbucherweiterung, die aus dem Kollektiv “The Dive” heraus entstanden ist.  Viele weitere Informationen und Materialien findet ihr hier.

Willkommen im New Work Dschungel

Der Belgier und ehemalige Unternehmensberater Laloux verfolgt die Idee, dass Organisationen im Laufe der Zeit verschiedene Evolutionsstufen durchlaufen und sich jede Stufe durch ihre ganz eigenen Durchbrüche auszeichnet. Logischerweise baut eine Stufe auf der anderen auf und enthält auch Elemente und Annahmen aus der vorangegangenen Phase. Dabei beschreibt er den Zustand, dass wir uns in einem Übergang zur nächsten Stufe befinden, der er die Farbe blaugrün (eng. teal) gibt und betont gleichermaßen, dass vorangegangene Stufen nicht schlechter seien als andere. Sie seien lediglich dem zeitlichen Kontext angemessen und nun ist eben die Zeit für was Neues. Teal zeichnet sich durch drei Durchbrüche aus, die als Selbststeuerung, evolutionärer Sinn und Ganzheitlichkeit bezeichnet werden. Wir gehen in einem späteren Artikel der Reihe darauf noch genauer ein.

Auf YouTube gibt es hierzu zahlreiche Videos die diesen Buchabschnitt treffend zusammenfassen; beispielhaft seien hier eine englische und eine deutsche Version genannt. Ich persönliche finde diese historische Betrachtung sehr hilfreich um zu verstehen, was an der neusten Stufe tatsächlich so innovativ sein soll. Falls ihr neugierig geworden seid und euch fragt, wie praktische Beispiele für die Arbeitswelt in der neuesten Stufe aussehen könnte, dann seien euch ein sehr interessantes Wiki und eine zum Buch ergänzende Videoreihe Laloux ans Herz gelegt. Auffällig ist bei allen Projekten, dass es sich meist um ein Kollektiv von Freiwilligen handelt, welches Beiträge und Beispiele für die verschiedenen Plattformen sammelt.

 “Teal” hat sich bei uns zu einem Buzzword entwickelt – was teils Segen aber auch Fluch ist. Denn: Kann man einen Zustand oder Praxis wirklich salopp als “teal” oder “nicht teal” bezeichnen? Die Tatsache, dass sich bei unserer letzten Workation das ganze Team damit bereits beschäftigen konnte ist unglaublich und zeigt, was möglich ist, wenn man selbst nur einen Tag mit dem ganzen Team in die Rakete steigt… Was dieses Buch so besonders macht ist, dass es etwas mit dir macht. Laloux Ansätze und Ideen gehen weit über Praxistipps und Geschichtsdiskurs hinaus und verfolgen ein umfassendes Gedankenexperiment, was zu Beginn zugegebenermaßen schwerfallen kann. Ob es das eine Buch für dich und euch ist müsst ihr selbst für euch herausfinden. Bei uns im Team hat es Einige bewegt, was aber nicht zwangsläufig heißt, dass alles wie beschrieben umgesetzt werden kann.  Ich werde in dieser Reihe bewusst auf Einige der im Buch genannten Konzepte eingehen.

Quo vadis Rakete?  

Wir stehen hier erst am Anfang unserer Reise und sind als eines der ersten Remote-first Unternehmen im DACH-Raum doch auch schon mitten drin. Was sich aber herauskristallisiert:  ein New Work– Mindset entsteht nicht mal über Nacht. Wir alle haben Dinge gelernt und verfolgen unsere eigenen Glaubensätze. Dieser Text soll euch zumindest ermutigen euch Gedanken über eure Arbeit und Arbeitswelt zu machen – denn das ist bereits der erste Schritt in die Rakete, die sich dann auch ganz von selbst zünden kann….  

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